„Arisierung“ in Thüringen

Joachim Hendel: Quellen zeigen ganzes Ausmaß. Dokumentenband zur Arisierung, in: Thüringische Landeszeitung v. 8.11.2006

Jena/Weimar. (tlz) Der 9. November ist seit den späten 1980er Jahren ein Tag der Erinnerung. Eine der vielen Gedenkveranstaltungen zur Reichskristallnacht soll eine Lesung im Hauptstaatsarchiv Weimar werden. Präsentiert wird ein Dokumentenband zur Arisierung in Thüringen zur Zeit des Nationalsozialismus. Arisierung muss dabei als alltäglicher Prozess mit vielen Akteuren und Profiteuren verstanden werden.
So wurden Quellen zu Tage gebracht, die das ganze Ausmaß der Unterdrückung von Mitbürgern jüdischen Glaubens zur Zeit des Nationalsozialismus verdeutlichen. Die gesammelten Dokumente belegen, dass sich all dies in aller Öffentlichkeit abspielte.
Man merkte, dass das Thema tabuisiert ist. Das zeigen die vielen Anonymisierungen in den Quellen, erzählt Monika Bräu. Doch trotz einiger Bedenken und Zurückhaltung seitens der Archivare haben wir viel hilfreiche Unterstützung bekommen, ergänzt Christian Faludi. Die beiden sind zwei von insgesamt 17 Studenten. Sie suchten unter der Anleitung der Leipziger Historikerin Monika Gibas auf allen Ar-chivebenen in Thüringen nach Dokumenten zum Thema.
Zwei Monate lang arbeiteten sie dann in den Archiven. Diese Arbeit außerhalb der Universität war für viele eine wichtige Erfahrung, sagt Faludi, sonst kommt man auch als Geschichtsstudent eher selten ins Archiv.
Die Fülle an Material war so groß, dass trotz der Kürzungen die Auswahl immer noch zwei Bände füllte. Wir hoffen, damit den Anstoß zu weiteren Forschungen geben zu können, sagt Thomas Wenzel. Nicht alle Schriftwechsel und Vorgänge konnten vollständig wiedergegeben werden, so dass viel Raum für Nachforschungen bleibt.